POLYRADIKULITIS
Polyradiculitis
Manche (wenige) Autoren schreiben Polyradikulitis mit -c- (Polyradiculitis)
Der Begriff
Der Wortteil "Poly" bedeutet viele, mehrere, "radikul" bezieht sich auf Radix = Wurzel und die Endung "itis" wird mit Entzündung übersetzt.
Bei der Polyradikulitis
sind mehrere bis zahlreiche Spinalnerven-Wurzeln (=
Austritt eines
Nerven
aus dem
Rücken
mark)
entzündet, meist auch zugehöriger Nervenabschnitte (Polyradikuloneuritis) vor.
Hauptsächliche Symptome (=
Krankheitszeichen) der Polyradikulitis
sind:
Reflexabschwächung
Paresen (= Lähmungen)
sensible (= die Berührung, Wahrnehmung betreffende) Reiz- und Ausfallerscheinungen
Bei einer Reihe von Krankheiten liegt eine Polyradikulis (Polyradiculitis) vor, überwiegend mit Schmerzen einhergehend.
Lyme-Krankheit (Lyme-Borreliose,
Borreliose,
Lyme-Syndrom):
1976
erstmals in der Ortschaft Lyme (USA) beschriebene Krankheit, die von Borrelia
burgdorferi verursacht u. v.a. von Zecken (aber auch von anderen Insekten)
übertragen wird und ein sehr vielfältiges klinisches Bild bietet.
Beginn meist
mit einem Erythema chronicum migrans (= wandernder Hautausschlag), begleitet von unspezifischen
Krankheitserscheinungen. Auch das Bäfverstedt Syndrom wird heute zum (frühen)
1. Stadium der
Zeckenborreliose gerechnet.
Nach einer Latenzzeit (Wochen bis Monate) kann
es zu Herzbeteiligung u. neurologischen Symptomen (Polyradikuloneuritis,
Polymeningoradikuloneuritis (=
En
tzündung von
Nervenwurzel,
Ner
ven und Hirnhaut))(= 2.
Stadium) kommen. Charakteristisch für
das chronische 3. Stadium sind Akrodermatitis chronica atrophicans
(= entzündliche Hauterkrankung der Körperenden),
Lyme-Arthritis
(v.a. an großen
Gelenke
n) und progressive
Enzephalomyelitis
(= fortschreitende
En
tzündung des Gehirns
und Rückenmarks).
Therapie: Je nach
Stadium langanhaltende, ausreichend dosierte Antibiotikatherapie (Doxycyclin,
Erythromycin, Cephalosporine); unzureichende Behandlung des 1. Stadiums birgt
Gefahr des Übergangs in chronische Stadien.
Fisher Syndrom:
Eine idiopathische
(= ohne erkennbare
Ursache entstandene)
Polyneuritis mit
Augenmuskellähmung (beidseitige Ophthalmoplegie) und Ataxie
(=
Störung der Bewegungsabläufe),
Erlöschen der Eigenreflexe, evtl. auch mit schlaffen Lähmungen.
Als Landry Lähmung (-Paralyse) (Paralysis acuta ascendens) wird die akute (= plötzlich und heftig einsetzende), oft tödliche Verlaufsform des Guillain-Barré-Syndroms bezeichnet, mit raschem bis foudroyantem (= blitzartig einsetzendem und rapid verlaufendem) Übergreifen der Lähmungen von unteren Gliedmaßen und Rumpf auf die Atem- und Schlund muskulatur (d.h. auf untere Hirnnervenkerne), z.B. bei Myelitis (= En tzündung des Rückenmarks) oder Poliomyelitis (= spinale Kinderlähmung).
Das Guillain-Barré-Syndrom
(auch
als
Radikuloneuritis oder
Neuronitis (=
En
tzündung einer
Ner
venzelle) bezeichnet) ist eine Sonderform der
Polyradikulitis, meist als infektiöse (=
ansteckende, übertragbare) Polyneuritis (=
En
tzündung mehrerer
Ner
ven)
auftretend.
Krankheitszeichen sind aufsteigende motorische
(=
die Mus
kulatur betreffende) Lähmung
(einschließlich der unteren Hirnner
ven),
Parästhesien
(=
Mißempfindungen) und ziehende
Schmerzen.
Es wird unterschieden zwischen der unteren (Spinalwurzeln u. periphere Ner
ven),
gemischten und mesencephalen (= nur
Gehirnner
ven betreffenden) Form , ferner
als bösartige Verlaufsform die Landry Paralyse
(=
Landry Lähmung).
Beim Guillain-Garcin-Syndrom (auch als "Halbbasis-Syndrom" bezeichnet) kommt es zu einseitigen, also Halbseitenlähmung von Hirnner ven, hervorgerufen durch einen Krankheitsprozeß in einer Hälfte der Schädelbasis (= Unterseite des Gehirns), z.B. bei basaler Meningitis (= Hirnhautentzündung).
Denny-Brown-Syndrom
Bäfverstedt Syndrom (
Der Vollständigkeit halber sei noch die Polyneuritis (= entzündliche Erkrankung mehrerer peripherer oder Hirnnerven) erwähnt, im weitesten Sinne auch alle übrigen Formen der Polyneuropathie, da bei diesen Erkrankungen auch die Ner venwurzeln beteiligt sein können.
Therapie:
Bei der Polyneuritis und Polyradikulitis
(Polyradiculitis) Typ Guillain-Barré wird eine sehr frühe Kortikoidbehandlung
propagiert, auch soll die Gabe von Immunglobulin hilfreich sein. Die Plasmapherese
(= Abtrennung des Plasmas von den korpuskulären Elementen des Blutes)
hat sich bei rasch fortschreitenden Krankheitsverläufen und bei der sehr
chronisch verlaufenden Variante als wirksam erwiesen.
Schmerztherapie
bei Polyradikulitis (Polyradiculitis):
Leider ist die medikamentöse Behandlung mit
Analgetika
(=
Schmerzmittel) häufig frustran
(= vergeblich, ohne Effekt). (Vorwiegend) peripher
wirkende Analgetika sprechen kaum nicht an, zentral wirkende
(= im Gehirn/Rückenmark wirkende)
allenfalls in höherer Dosierung mit den entsprechenden
Nebenwirkungen.
Häufiger ist ein Therapieversuch
mit Carbamazepin oder Gabapentin
oder Pregabalin
(= Mittel, die eigentlich gegen die
Fallsucht wirken, aber auch gegen bestimmte Schmerzen)
lohnend, auch in Kombination mit Baclofen
(= ein im Gehirn/Rückenmark
wirkendes Mittel zur Muskelentspannung).
Therapeutische Lokalanästhesie bei Polyradikulitis:
Mit Grenzstrang- bzw. Sympathikus-Blockaden läßt sich in vielen Fällen das Schmerzbild günstig beeinflußen. Single-shot-Blockaden
(= Einzelbetäubungen) sind aber meist nur dann erfolgreich, wenn sie in gehäufter, engmaschiger Abfolge durchgeführt werden.Bei Befall der
Nervenwurzel
im
Halswirbelsäule n-Bereich eignet sich die Blockade des
Ganglion stellatum
(= eine vegetative Schaltstelle im
seitlichen Halsbereich), optimal
kontinuierlich mit Katheter (*siehe unten).
Mit einem genügend großen Volumen
(ca. 15-20 ml. z.B.
Bupivacain 0,1-0.2%) können auch die oberen
HWS
- und die
oberen
BWS-Wurzeln erreicht werden.
Bei Befall der Ner venwurzel C4/5 bis TH 1/2 kann auch die kontinuierliche, retrograd hohe Blockade des Plexus brachialis (= großes Arm nervengeflecht) durchgeführt werden (*siehe unten), da der Plexus reich an vegetativen Ner venfasern ist.
Thorakale (= den Brustwirbelsäule n-Bereich betreffende) Grenzstrangblockade n sind risikoreich, so daß man die Nutzen/Risiko-Relation genau abwägen wird.
Ein deutlich geringeres Risiko besteht bei lumbalen (= den Lendenwirbelsäulen-Bereich betreffende) Grenzstrangblockaden.
Für den unteren thorakalen und lumbalen Bereich bietet sich die kontinuierliche epidurale (= rückenmarknahe) Blockade mit Katheter an (*siehe unten)
Wirkungsweise der therapeutischen Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika), insbesondere in kontinuierlicher Form mit Katheter:
Die Wirkung einer Nerven - oder Leitungsblockade kann individuell mittels Betäubungsmittelmenge und -konzentration so gesteuert werden, daß die Schmerzreize bei weitgehend erhaltener Motorik (= Mus kelkraft) blockiert werden. Der Erhalt der Motorik hat den Vorteil, daß die Patienten mobil bleiben und so begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich sind, bzw. bei stärkeren Schmerzzuständen durch Hemmung der Nozizeption (= Schmerzreizleitung) überhaupt erst möglich werden.
Ein weiterer nicht zu
unterschätzender Vorteil ist, daß bei dieser Therapie, sozusagen als
Nebeneffekt, auch vegetative (= das unwillkürliche
Ner
vensystem
betreffende) Ner
venfasern mit einbezogen sind. Die daraus resultierende sympatholytische
(= Blutgefäß erweiternde)
Wirkung führt
zu einer sehr deutlichen Mehrdurchblutung, die jeder entzündlichen oder
degenerativen Schmerzursache kausal
(= ursächlich)
entgegenwirkt.
Auch
bei Verwachsungen (z.B. nach Operationen oder Verletzungen) ist die
sympatholytische Nebenwirkung hilfreich, indem die entstandenen, bradytrophen
(=
mit verminderter Stoffwechselleistung einhergehende)
Gewebsbereiche besser durchblutet werden und es dadurch zu einer Optimierung der
gestörten Mikrozirkulation kommt.
Bei Anwendung der Kathetertechnik
kann die Blockadefrequenz so gesteigert werden, daß daraus eine
kontinuierliche Blockade resultiert.
Kontinuierliche
Nervenblockaden
mit Katheter bietet gegenüber der Single-shot-Methode (= Einzelbetäubungen)
noch weitere Vorteile:
Wenn der Katheter einmal korrekt implantiert ist, sind die Folgeblockaden von gleichbleibender Qualität.
Das methodische Risiko, das bei jeder Single-shot-Injektion (= Einzeleinspritzung) erneut gegeben ist - versehentliche intravasale (= in ein Blutgefäß hinein) Injektion, Traumatisierung (= Verletzung) - bleibt auf die einmalige Implantation beschränkt.
Die Wirkung verschiedener Lokalanästhetika-Konzentrationen und -Volumina kann besser beurteilt werden, da die Instillation (= Einbringen des Medikaments) jeweils am gleichen Ort erfolgt, was bei Single-shot-Injektionen nicht gewährleistet ist, besonders wenn organisationsbedingt mehrere Ärzte an der Therapie beteiligt sind.
Daß Lokalanästhetika (örtliche Betäubungsmittel) auch entzündungshemmend wirken, ist zwischenzeitlich wissenschaftlich erwiesen. Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, so klicken Sie hier.
Die beschriebenen, invasiven (= in den Körper eindringenden) Therapiemethoden der speziellen Schmerztherapie setzen eine sehr gründliche fachärztliche Ausbildung voraus, weshalb sie nur in spezialisierten Einrichtungen angeboten werden können. Insbesondere sind die kontinuierlichen Blockaden mittels eingepflanztem Katheter in Deutschland nur in ganz wenigen Schmerzzentren (Schmerzkliniken) durchführbar, so z.B. in Bad Mergen theim.
Erläuterungen:
*
Bei der sog.
kontinuierlichen
Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an
Ner
vengeflechte bzw. den betroffenen Ner
ven eingepflanzt. Die Einpflanzung
erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht
„aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich,
jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das
Lokalanästhetikum
(=
örtliche Betäubungsmittel)
völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung
des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine
Pumpe angeschlossen werden. Nach
neueren Erkenntnissen vermag eine solche intensive Blockadebehandlung auch
das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen.
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Aktualisiert: 09.05.2006
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www.polyradikulitis.de k u aktualisiert: >18.05.2006</> <strong>Polyradiculitis</strong>
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